Resilienz bei Kindern stärken

Daniela Kock

Psychische und seelische Widerstandskraft – so wird Resilienz häufig beschrieben. Auch ein gelassener Umgang mit Krisen und Stress werden einer hohen Resilienz zugeschrieben. Daniela Kock, Entspannungspädagogin und Resilienztrainerin, erläutert wie Kinder dabei unterstützt werden können, Resilienz zu entwickeln.



Ist Resilienz denn für Kinder überhaupt wichtig? Ja, das ist sie durchaus!


Resiliente Kinder können auf eine Vielzahl von Fähigkeiten zurückgreifen, die ihnen das Leben erleichtern. Resiliente Kinder zeichnet aus, dass sie sich nicht unterkriegen lassen und Herausforderungen meistern · sich neue Dinge zutrauen · Spaß und Freude haben · Bindungen eingehen können und keine Angst vor Kontakt haben sowie · ihre eigenen Gefühle und die Gefühle von anderen wahrnehmen, erkennen und altersgemäß regulieren können.


Die gute Nachricht ist: Resilienz kann trainiert werden

– sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Und wenn es um die Resilienzförderung von Kindern geht, sind nicht nur die Eltern gefragt. Auch die unterschiedlichen Betreuungseinrichtungen können immer wieder Gelegenheiten schaffen, damit die Kinder Selbstwirksamkeitserfahrungen machen und sich im Kontakt mit anderen Menschen erleben können. So lernen sie gleich mehrere Kompetenzen: die Selbst- und Fremdwahrnehmung, die Selbstberuhigung, den sozialen Umgang mit anderen Menschen sowie mit Stress und die Anwendung von Problemlösestrategien.

Wie können diese Kompetenzen gestärkt werden? Im Betreuungsalltag gibt es mehrere Möglichkeiten, wie die Resilienz von Kindern trainiert werden kann. Es folgen einige Beispiele, wie dies auch in unterschiedlichen Altersgruppen geschehen kann:


Bücher

Gemeinsam Bücher anzuschauen bringt den meisten Kinder Spaß! Inzwischen gibt es viel gute Kinderliteratur, die Gefühle, Mut machen, Selbstwirksamkeit uvm. thematisieren. Durch gute Geschichten, können die Kinder auch am Vorbild lernen und gemeinsam überlegen, was für Alternativen die Hauptpersonen vielleicht gehabt hätten, um die Herausforderungen zu meistern.


Über Gefühle sprechen

Die Kinder sollten immer wieder ermutigt werden über ihre Gefühle zu sprechen, aber auch über die Gefühle von den anderen Menschen in ihrer Umgebung. Hierzu gibt es mehrere Hilfen wie eine Gefühlsuhr oder Bildkarten, auf denen unterschiedliche Gefühle dargestellt werden. Und natürlich sollten die Fachkräfte auch ihre eigenen Gefühle thematisieren.


Sinnesräume oder Sinnesecken

Um sich selber besser zu erleben und zu spüren, können Sinnesräume oder bei weniger Platz auch Sinnesecken eingerichtet werden. Auch im Alltag sollte immer auf eine ausgewogene Ansprache der unterschiedlichen Sinne geachtet werden. Während Sehen, Fühlen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken häufig thematisiert werden, kommen der Gleichgewichts- oder der Bewegungssinn etwas zu kurz. Für diese zwei Sinne bietet sich besonders Bewegungsräume oder Bewegungsparcours sowie natürlich das draußen Spielen an.


Rituale

Durch einen strukturierten Tagesablauf, gemeinsame Mahlzeiten und für alle geltende Regeln erleben die Kinder ein Gefühl von Sicherheit. Aus dieser Sicherheit heraus können sie dann neuen Herausforderungen begegnen.


Regulationsunterstützung

Je jünger die Kinder sind, desto mehr Unterstützung benötigen sie bei der Regulation wenn sie traurig sind oder es ihnen nicht gut geht. Sicherheit spenden durch Gegenwart, die Kinder aus der Situation sowie in oder auf den Arm nehmen und trösten sind hierbei sehr wichtig. So können die Kinder nach und nach lernen, was sie in solchen Situationen benötigen und wie sie sich langfristig auch selber beruhigen können.


Altersgerechte Herausforderungen

Um die eigene Selbstwirksamkeit zu erleben, sollten die Kinder immer wieder die Möglichkeit haben, sich altersgemäß Herausforderungen zu stellen. Auch die Reflektion über das Gelingen und auch das Misslingen ist dabei hilfreich. So könnte überlegt werden: „Was habe ich getan, damit es funktioniert hat?“ Oder: „Was könnte ich das nächste Mal tun, damit es besser funktioniert.“ Ein Misslingen sollte also nicht als Niederlage, sondern als Möglichkeit zum daraus lernen gesehen werden!


Alltagsaufgaben

Die Kinder in die Alltagsaufgaben mit einzubeziehen hat gleich mehrere Vorteile. Durch regelmäßiges Üben können die Kinder eine wirkliche Hilfe z.B. beim Tischdecken werden. Gleichzeitig erleben sie sich aber auch als wertvolles Mitglied der Gemeinschaft, das seine Fähigkeiten zum Wohle aller einsetzen kann.


Rollenspiele und Verkleidungen

Durch das Schlüpfen in andere Rollen können die Kinder spielen, wie es wohl anderen Menschen in bestimmten Situationen geht. Sie können auch ganz bewusst Gefühle und Emotionen nachspielen, sich in andere Menschen hineinversetzen und sich in anderen Rollen ausprobieren.

Diese Liste ist natürlich nicht abschließend, aber schon einmal ein guter Startpunkt um den täglichen Ablauf in der eigenen Gruppe zu beobachten und zu überlegen, wo vielleicht noch etwas mehr Resilienztraining möglich ist.



Buchtipps


Swimmy

Harranth W. / Oppermann-Dimow, C.

Middelhauve, 1971






Robbi regt sich auf

D’Allancé, M.

Julius Beltz GmbH & Co. KG; 2004






Mutig, mutig

Pauli, L. / Schärer, K. Atlantis; 2006





 

Daniela Kock ist Expertin für Stressmanagement, Resilienz und Entspannungstraining ganz nach dem Motto: Raus aus dem Stress - hinein in einen entspannten Arbeitsalltag.