Persönlichkeitsentwicklung

"Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!" - Pippi Langstrumpf

Ein Interview mit Peggy Bresnik, Referentin und freiberuflicher Coach im pädagogischen Bereich



Was bedeutet Persönlichkeitsentwicklung für Dich? Man hört das ja überall, aber was genau bedeutet das?

Gute Frage: Was ist das eigentlich? Darüber habe ich auch lange nachgedacht. Für mich ist Persönlichkeitsentwicklung erst mal davon ausgehend, dass natürlich jeder eine eigene Persönlichkeit schon mit in diese Welt bringt. Das ist etwas, dass ich von meiner Familie mitkriege, also mein eigener Genpool und dem, was ich in meiner Familie erfahre. Im Laufe des Lebens kommt aber noch vieles dazu. Die Persönlichkeit entwickelt sich über die Interaktion mit meiner Mitwelt, das, was mir an Möglichkeiten zur Verfügung gestellt wird und welche Vorbilder in meinem Umfeld existieren. Und dann geht es darum, was ich daraus machen kann. Da stellt sich oft die Frage: Was ist wichtiger? Das was ich von Anfang an mitbekomme oder die äußeren Einflüsse? Die Kombination aus diesen beiden Dingen ist entscheidend. Ich kann die besten Sachen mit auf diese Welt bringen. Aber wenn ich nichts habe, was mich herausfordert, werde ich mich nicht großartig weiterentwickeln – im Erwachsenenalter, aber auch als Kind. Was heißt es, selbst wirksam zu sein? Was heißt es, sich selbst regulieren zu können? Was heißt es, Motivation oder Resilienz zu finden? Dieses sich Kennenlernen ist etwas, was sich im Leben immer weiter entwickelt, es hört nie auf. Man fragt sich: Wo stehe ich mir selbst im Weg, wo gerate ich häufiger in einen Konflikt oder wo spüre ich vielleicht einen inneren Widerstand? Wenn ich mich in den Bereichen weiterentwickeln möchte und daran arbeiten will, geht es nicht um “höher, schneller, weiter”, sondern es geht vielmehr darum, tiefer hinein zu blicken und zu überlegen, welche anderen Handlungsoptionen habe ich. Auch das Zulassen von Rückschritten, von Anhalten und Fehler machen dürfen ist ganz entscheidend. Ich bin fest davon überzeugt, dass es wirklich ein Prozess ist, der Tag für Tag ein Leben lang andauert.


Warum lohnt es sich, sich damit zu beschäftigen?

Es ist sehr gut, wenn ich mich kenne und meine eigenen Anteile in einem Konflikt oder einer Situation kenne. Bin ich jemand, der immer vorprescht, sofort einen Plan hat und andere motiviert? Das kann grundsätzlich gut sein, aber wenn ich eine Führungskraft bin und meinen Mitarbeitenden damit die Chance nehme sich einzubringen, ist das nicht so positiv. Ich muss schauen, wo meine Ecken sind, die ich noch “ausleuchten” sollte. Dafür muss ich mutig sein.


Ich muss versuchen meine eigenen Anteile im Blick zu haben, tief durchzuatmen und nicht immer in einen Automatismus zu gehen um reflektiert in Interaktion gehen zu können. Ich glaube auch, dass das Gefühl handlungsfähig sein zu können, nicht ausgeliefert zu sein und das Gefühl, das eigene Glück selbst in der Hand zu haben, ein großer Gewinn ist.


Warum ist das Thema Persönlichkeitsentwicklung wichtig für pädagogische Fachkräfte? Ich bin fest davon überzeugt, wenn ich mich nicht selber gut kenne, mit allen positiven und negativen Seiten, die zu mir gehören, dann kann ich nicht gut in der Arbeit mit anderen Menschen sein – besonders mit Kindern. Ich muss mir im Klaren sein, welche Vorbildrolle ich habe und was die Kinder von mir lernen können. Kinder lernen von Kindern eine ganze Menge, aber sie lernen ja auch viel von den Erwachsenen. Wie machen sie das? Wie gehen sie auf mich ein? Wie erfülle ich meine eigenen Bedürfnisse? Es ist spannend, was Kinder sehen. Sie nehmen uns auf wie ein Schwamm. Ich bin davon überzeugt, dass erst wenn man sich selber gut kennt, man in der Lage ist frei von Bewertungmöglichkeiten zur Verfügung zu stehen. Ich muss also meine eigenen Anteile kennen: Warum mich bestimmte Dinge bei Kindern zur Weißglut bringen, warum mich etwas ärgert, warum ich aber vielleicht auch Kindern besonders zugewandt bin. Das ist sozusagen der ausschlaggebende Punkt. Immer wieder in Selbstreflektion zu sein und nach den eigenen Anteilen zu fragen, ist zwingend nötig, um in diesem Bereich gut arbeiten und sich stetig entwickeln zu können.

Wie setze ich mir Ziele zur persönlichen Entwicklung und wie erreiche ich sie? Ziele setzen kann man aus zwei Richtungen. Zum einen kann ich über Visionen nachdenken. Was ist meine Vision für mein Leben und was will ich erreichen? Dann kann ich meinen Visionen entgegen meiner Ziele ausrichten. Daraus entwickeln sich Maßnahmen und dann kann ich meine Visionen ein Stückchen näher kommen. Natürlich können sich diese Visionen auch verändern oder der Fokus sich verschieben

Man kann es aber auch von der anderen Seite betrachten und zwar als so etwas wie einen “Nachruf auf sich selbst”. Darüber lese ich auch gerade ein spannendes Buch. Es geht darum, was ich eigentlich über mich lesen wollen würde. Welcher Mensch hätte ich sein wollen? Und dann ist relativ klar, was ich tun muss. In dem Buch wird relativ klar: Wenn ich etwas bestimmtes über mich lesen will, dann muss ich etwas bestimmtes tun. Daraus kann ich auch meine Ziele abwickeln.


Ganz wichtig ist bei beiden Methoden die Reflektion, nur so kann ich meine Ziele erreichen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich kann jeden Tag so etwas wie Journaling machen oder Tagebuch schreiben. Ich kann wöchentliche und monatliche Pläne machen, was ich mir vornehme und was ich geschafft habe. Oder auch Jahresplanung und Reflektionsschleifen machen. Ist es noch das richtige Ziel? Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Habe ich die richtigen Maßnahmen ergriffen? Die Reflektion ist dafür da immer wieder nachzujustieren und zu überprüfen, ob ich noch auf dem Weg bin, meine Ziele zu erreichen.


Was sind Tipps und Tricks, die ich nutzen kann um mich weiter zu entwickeln? Weiterhin wichtig ist, meine Visionen im Blick zu haben und mir dann Prioritäten und Anker zu setzen. Wenn ich mir was Neues vornehme, darf ich nicht zu viel Zeit verstreichen lassen und muss die neuen Dinge regelmäßig tun.


Aus kleinen Pfaden werden Trampelpfade, dann irgendwann Landstraßen und irgendwann eine Autobahn.

Im Seminar oder Coaching stelle ich gerne die Frage “Was passiert, wenn ich mit einer Säge in ein weiches Holz säge?” Dann entsteht eine Kerbe. Und Wenn ich dann mal etwas anders machen will “Was braucht es dann, damit ich eine zweite Kerbe in dieses Holz bekomme?” Dann ist Fokus wichtig und sich zu konzentrieren. Ich muss genau hinschauen wo ich ansetzten muss und dann den richtigen Druck ausüben. Irgendwann rutscht die Säge nicht mehr raus, da sie mehr Halt hat. Und genau so kann man sich das mit persönlichen Zielen vorstellen. Ich will etwas verändern, also suche ich mir ein Ziel und fokussiere mich darauf.


Eine schöne Methode ist auch, sein Vorhaben aufzuschreiben: Das habe ich mir vorgenommen was ist mir gut davon gelungen und was ist mir nicht gelungen. Also eine Form Dinge zu verschriftlichen als Ritual, um weiter an seinen Zielen und an seiner Persönlichkeit zu arbeiten. Ich kann mir auch aktiv Feedback einholen. Ich kann z.B. Freund:innen und Kolleg:innen fragen wie sie mich in bestimmten Situationen erleben. Was auch sehr unterstützend sein kann, ist, dass ich mir Menschen in meinem Umfeld suche, die die gleichen Interessen verfolgen. Ein Gespräch kann Gelegenheit sein, sich über seine Visionen auszutauschen. Welche Leute brauche ich um mich herum? Welche Umgebung brauche ich, um meine Ziel zu erreichen? Wer kann mich noch inspirieren? Wer kann mir helfen? Ich bin sicher, dass macht es leichter als immer alles alleine schaffen zu wollen.


Was war dein schönstes Erlebnis im Zusammenhang mit Persönlichkeitsentwicklung im pädagogischen Bereich?

Ich habe eine schöne kleine Geschichte aus einem Seminar zu Partizipation und Gestaltung von Bildungsprozessen. Eine Teilnehmerin berichtete, wie sie den Medienkonsum von Kindern regeln. Sie erzählte, dass die Kinder am Tag 20 Minuten spielen dürfen, das sei so festgelegt. In der Pause kam sie dann zu mir und sagte: “Peggy, bei mir ist gerade ein Stein ins Rollen gekommen. Das ist doch völlig unlogisch, dass die Kinder nur 20 Minuten am Tag spielen dürfen. Sie schaffen das Spiel dann nie zu Ende. Wenn man die Kinder fragen würde, würden sie vorschlagen eine Stunde zu spielen und dafür dann den nächsten Tag nicht, damit sie das Spiel durchspielen können. Es ergibt keinen Sinn, wenn wir Erwachsenen Regeln vorgeben, ohne die Kinder mit einzubeziehen.” Und dieser Aha-Effekte, der bei Seminarteilnehmerin ausgelöst wurde, ist der Moment, der mich glücklich macht. Wenn sie konkret Dinge in ihre Praxis umsetzen (wollen) und ich feststelle, ich kann etwas in Gang setzten und Anstöße geben. Dafür mache ich diesen Job auch!




Das liest Peggy gerade

"Nachruf auf mich selbst."

von Harald Welzer









 

Peggy Bresnik ist freiberuflicher Coach, Referentin, Fachberaterin und Autorin für den sozialpädagogischen Bereich. Ihr Schwerpunkte sind Führungskräftecoaching, Personal- und Teamentwicklung, Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikationstraining, Change- und Projektmanagement. Sie unterstützt in ihrer Praxis KiTa-Träger, Leitungskräfte und ihre Teams. Sie sagt: "Für mich ist die Arbeit mit Kindern, ihren Familien und den pädagogischen Teams immer von einem hohen Anspruch geprägt. Gute und nachhaltige Bildung ist mir wichtig."



 

Peggys Seminare bei der Pädiko Akademie