Keine Angst vor neuer (Leitungs-)Verantwortung




Jeder kennt das Gefühl von Unsicherheit, wenn man in eine neue Umgebung kommt oder mit neuen Menschen und Situationen konfrontiert wird, und man schwankend in der eigenen Handlungskompetenz ist.

Besonders stark kann das Gefühl dann auftreten, wenn die neue Herausforderung darin besteht, eine neue führende Position einzunehmen, beispielhaft die Leitung einer Krippen- oder Kitagruppe, eines spezifischen Projektteams oder die gesamte Leitung einer pädagogischen Einrichtung. Die Herausforderungen vor denen man in solchen Situationen steht sind oft die Gleichen.

Unsicherheit entsteht besonders dann, wenn die eigene neue Rolle und die zugehörigen Aufgaben unklar sind.

“Das ist mit das Herausfordernste, wenn Stellenbeschreibungen nicht klar umrissen sind. Das macht per se natürlich Panik”, so Sabine Traulsen, die professionelle Seminare zu diesem Thema gibt. Dann entstehen Unsicherheiten auf allen Seiten – bei der Leitung, der Abteilungsleitung und den neuen oder bisherigen Kolleg:innen. “Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, wenn wir in neue Situationen kommen, sind wir erstmal unsicher”, so Traulsen. Die einen können damit besser umgehen, die anderen weniger. Man stellt sich Fragen wie: Schaffe ich das überhaupt? Bin ich gut genug dafür? Welche Erwartungen haben die anderen an mich und welche Erwartungen habe ich an mich selbst? Es kommen die vielfältigste Fragen und Selbstzweifel auf. Wie gehe ich am besten mit Herausforderungen in einer leitenden Position um?

Egal welche Rolle Du hast, Du musst Dir dieser Rolle bewusst sein und nur wenn Du Dir Deiner Rolle bewusst bist, kannst Du auch Führungsverantwortung übernehmen. Erst dann kannst Du selbstwirksam aktiv werden und gegenüber anderen Verantwortung und Führungskraft behaupten. Sag Dir selbst“Niemand kann mich verunsichern, denn ich weiß was meine Arbeit wert ist”.


Wenn Du Führungsverantwortung behaupten und ein neues Team leiten sollst ist es wichtig sich den Unterschied zwischen “den roten Faden halten” und “den roten Faden behalten” bewusst zu machen. Liegt der Fokus zu stark auf dem Festhalten an Aufgaben, läuft man Gefahr, Mikromanagement zu leben, und selbst kleinteilige Aufgaben nicht delegieren zu können. In solchen Situationen ist man irrgeleitet von dem Gedanken, kein anderer könne die Aufgabe gleichermaßen gut absolvieren wie man selbst. Die begrenzte Ressource Zeit wird dann oftmals von einem selbst geklaut, in dem man sich auf kleinteilige Aufgaben konzentriert, statt diese abzugeben.


Damit alle Aufgaben fristgerecht erledigt werden, gilt es alle im Team durch vielseitige und zielgerichtete Kommunikation mitzunehmen und mit einzubeziehen. Es ist wichtig, dass Du selbst als Leitung des Teams den Überblick behältst und bei delegierten Aufgaben regelmäßig nachfasst. Gleichzeitig gehört zu dieser Aufgabe, sich regelmäßig in die anderen Teammitglieder und Mitarbeitenden hineinzuversetzen um sich bewusst zu machen, was diese benötigen, damit sie ihre Arbeit erledigen können und sie dann darin zu unterstützen.


Besonders anfangs tendieren wir dazu, in neuen Führungspositionen es allen recht machen zu wollen, doch das ist nicht die Aufgabe einer führenden Position. Die Aufgabe ist es, die neue Rolle selbstbewusst zu übernehmen und auszufüllen. Solltest Du dabei mit persönlichen Problemen im Hinblick auf Dich und Deine neue Rolle konfrontiert werden, mache Dir erst einmal bewusst, dass dies grundsätzlich nicht Dein Problem, sondern das des anderen ist. Sollte sich der Konflikt zuspitzen und eine neutrale Zusammenarbeit gefährden, kann der zielgerichtete Dialog gesucht werden.


Was macht die neue Herausforderung mit mir als Mensch? Diese Unsicherheiten, die wir haben, sind nicht nur der neuen Situation geschuldet, sondern auch eng mit unserer Herkunft verknüpft. Deshalb macht es Sinn, sich mit den eigenen Wurzeln zu beschäftigen, um auf Dauer die neue Rolle bestmöglich zu erfüllen. Wie ticke ich eigentlich und wo sind meine persönlichen Knackpunkte? Was fällt mir leicht bzw. schwer im Umgang mit Menschen? Wie funktioniert meine Wahrnehmung und welchen Blick habe ich auf andere? Das persönliche Verhalten wird durch viele gesellschaftliche und soziale, äußere Aspekte mitbestimmt. Daher lohnt es sich, eine neue Rolle als Anlass zu nehmen diese gezielt zu identifizieren und zu reflektieren.“Wir haben alle unser Strickmuster und welches ist deins?”, fragt Sabine Traulsen die Teilnehmenden in ihren Seminaren. Es geht in die Tiefe, denn es geht um Befindlichkeiten. Immer wenn wir mit unseren Befindlichkeiten zu tun haben, braucht das Zeit. Das sind Prozesse, die nicht von heute auf morgen passieren können. All das, die persönliche Haltung, innere Einstellung, haben wir von Kind auf erfahren durch unsere Eltern und ist fest verankert, deshalb ist es schwer Verhaltensmuster neu zu überdenken und sich davon freizumachen. Eine neue Rolle kann da ein Anlass sein, Dich mit Deiner eigenen Person und Herkunft auseinanderzusetzen. Wenn Du Dich damit auseinandersetzt, wirst Du immer klarer in Deinem Selbst und darüber, wie Du Dein Team bestmöglich leiten kannst und willst.