Gelassen durch den Kita-Alltag

Daniela Kock


Jeden Tag prasseln verschiedene Herausforderungen auf Erzieher:innen ein. Und auch wenn die Arbeit mit den Kindern und den Eltern ebenso wie die vielen unterschiedlichen Aufgaben häufig ein Entscheidungsgrund für die Arbeit als Erzieher:in sind, so können sie in einigen Situationen auch als Belastung wahrgenommen werden. Was ist also das Geheimnis, um im Kita-Alltag gelassen zu bleiben?



Ein wichtiger Faktor für die eigene Gelassenheit sind die eigenen Bewertungsmuster. Sich selber bewusst zu werden, wie und warum bestimmte Vorfälle oder Personen zu Stress führen, ist dabei ein wichtiger Anfang. Nicht selten passiert es nämlich, dass bestimmte Situationen bei uns zu bekannten Glaubenssätzen und Verhaltensmuster führen. Das ist grundsätzlich auch nicht schlimm!

Es erleichtert uns das Leben sehr, wenn wir nicht jedes Mal neu darüber nachdenken müssen, wie wir zum Beispiel unseren netten Nachbarn begrüßen, wenn wir ihn auf der Straße sehen. In dieser Situation greifen wir auf ein bewährtes und automatisiertes Verhaltensmuster zurück: freundlich lächeln und grüßen, vielleicht noch ein kurzer Plausch – wenn es die Zeit erlaubt. Gleichzeitig kann ein automatisiertes Verhalten in einer herausfordernden Situation aber auch zu den immer gleichen negativen Gefühlen und Verhaltensmustern führen. Dieser erleichtern uns die Situation dann nicht, sondern verstärken die negativen Empfindungen.


Sobald uns diese Bewertungsmuster bewusst sind, können wir beginnen sie aktiv zu ändern.

Dazu gibt es kognitive Techniken wie das Entkatastrophisieren, Hypothesen testen oder Absolutismen vermeiden. Diese Techniken können bewusst eingesetzt werden, um zum Beispiel gelassener in das nächste herausfordernde Elterngespräch zu gehen.


Durch das Entkatastrophisieren kannst Du der Herausforderung den Schrecken nehmen! Überlege einmal, was könnte schlimmstenfalls passieren? Wie könnte das ablaufen? Die Eltern kommen – es gibt Unstimmigkeiten – es entsteht ein Streit – beide Seiten werden immer lauter – die Eltern werden beleidigend – Du wirst beleidigend – als Konsequenz wirst Du rausgeschmissen – Du findest keinen neuen Job – Du verlierst Deine Wohnung – und so weiter… Durch das gedankliche totale Übertreiben schaffen wir es, die Dinge wieder realistisch einzuschätzen. Klar, es kann vielleicht etwas anstrengend werden, aber wird tatsächlich ein riesiger Streit ausbrechen und Du Deinen Job verlieren? Wohl kaum!


Auch durch das Hypothesen testen nehmen wir der Situation den Schrecken. Du bist der Meinung, dass das Gespräch anstrengend verlaufen wird? Das kannst Du ja nicht wirklich wissen, es ist erst einmal eine Hypothese – also eine unbewiesene Annahme. Nun kannst Du erforschen, ob Deine Hypothese richtig ist. Das tust Du, indem Du das Gespräch als Experiment siehst, um Deine Annahme zu prüfen. Durch diese gedankliche Umbewertung als Experiment, dessen Ausgang noch nicht feststeht, schaffst Du es auch hier etwas Druck aus dem Ganzen zu nehmen und gelassener in die Situation zu gehen.


Zudem macht es Sinn wegzukommen vom Schwarz-Weiß-Denken und zu überlegen, wie viele Gespräche denn wirklich schon schiefgelaufen sind. Gab es nicht auch Gespräche, bei denen konstruktiv miteinander gesprochen wurde? Sich dies einmal bewusst zu machen, kann helfen die Befürchtungen realistischer einzuordnen. „Mit diesen Eltern gibt es immer Probleme.“ Ist es wirklich so absolut oder könnte man es auch anders formulieren? „Mit diesen Eltern gibt es häufig Herausforderungen.“ Schon mit so vermeintlich kleinen Umformulierungen kann die Herangehensweise an das Gespräch geändert werden, denn häufig und Herausforderungen lassen viel mehr Spielraum als immer und Probleme.

Daher solltest Du auch darauf achten, wie Du gedanklich – aber auch mit anderen Menschen – redest.

Verbanne Absolutismen wie immer, alle, nie aus Deinem Sprachgebrauch und ersetze sie durch häufig, viele, selten und schon ist wieder etwas mehr Spielraum vorhanden!


Neben dem Ansatz der persönlichen Bewertungsmuster, sollten aber auch die bewussten Entspannungspausen nicht zu kurz kommen – ja, gerade an den stressigen Tagen, an denen dafür gefühlt gar keine Zeit ist! Schon Kurzentspannungen können dabei hilfreich sein! Eine gute Möglichkeit etwas Stress „loszulassen“ bietet folgende – an die Progressive Muskelentspannung angelehnte – Übung: Setze oder stelle dich aufgerichtet hin. Schließe die Augen oder suche einen Punkt im Raum, an dem Deine Augen zur Ruhe kommen können. Nun atme einmal tief ein und aus und spanne dann die Hände zu Fäusten und die Oberarme an, die Schultern ziehst du nach oben, die Schulterblätter nach hinten. Diese Position ca. 5-10 Sekunden halten und mit dem nächsten Ausatmen wieder lockerlassen. Nun einmal ganz bewusst den Unterschied von der vorherigen Anspannung zur Entspannung spüren. Die Übung kann gerne noch 2-3x wiederholt werden bevor es dann mit etwas mehr Gelassenheit weitergeht im Kita-Alltag.

Gelassenheit kommt also aus einem Zusammenspiel von Kopf und Körper – Bewertungen von Stress erkennen und ändern sowie gleichzeitig für kurze Entspannungspausen im Alltag sorgen.


Viel Spaß beim Ausprobieren!
 

Daniela Kock ist Expertin für Stressmanagement, Resilienz und Entspannungstraining ganz nach dem Motto: Raus aus dem Stress - hinein in einen entspannten Arbeitsalltag.