Kitas in Aotearoa - Neuseeland

He whāriki mātauranga mō ngā mokopuna o Aotearoa -

Eine pädagogische Matte für neuseeländische Kinder



Neuseeland, ein Land mit einer hauptsächlich bikulturellen Gesellschaft bestehend aus den Ureinwohnern Neuseelands (Māori) und den Nicht-Maori (Pakeha), hat weitaus mehr zu bieten, als eindrucksvolle Landschaften aus “Herr der Ringe.” So blickt die pädagogische Fachwelt sehr interessiert nach Neuseeland und auf dessen einzigartiges Curriculum "Te Whāriki", welches vor über 20 Jahren entwickelt wurde. Es gilt als Vorreiter und inspirierte andere Länder, auch Deutschland, ebenfalls einen Rahmenplan zu erarbeiten. Es gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Frühpädagogik.


Allein der Name verrät schon eine Menge über das inhaltliche Programm.

Te Whāriki bedeutet in der Sprache der in Neuseeland lebenden Maori so viel wie geflochtene Matte oder Decke und soll die Beschaffenheit des Curriculums beschreiben. Diese “Matte” besteht aus ineinander geflochtenen Fäden, in die stetig neue Fäden eingewoben werden können. Das Curriculum zeigt auch, dass die Maori ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind, die berücksichtigt werden und deren Kultur sich in The Whariki wiederfindet. “In der Māori-Tradition werden Kinder als von Natur aus kompetent, fähig und reich, vollständig und begabt angesehen, unabhängig von ihrem Alter oder ihren Fähigkeiten. Sie stammen von Linien ab, die bis zum Beginn der Zeit zurückreichen, und sind wichtige lebendige Verbindungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie ein Spiegelbild ihrer Vorfahren. Diese Ideen sind grundlegend dafür, wie Māori das Lehren und Lernen verstehen” (Te Whāriki 2017, S. 12).




Charakteristisch für Te Whāriki ist die soziokulturelle Ausrichtung.

Das Curriculum soll Kinder dazu befähigen, auf ihre Weise zu wachsen, ihnen die nötigen Freiräume ermöglichen und sie gleichzeitig bei ihren Lernprozessen unterstützen. Te Whāriki ist dabei kein “lebloses Schriftstück”, sondern gelebte Überzeugungen all derer, die mit Kindern unter fünf Jahren arbeiten.


Im Zentrum stehen nicht Bildungsbereiche wie Sprache oder Bewegung, sondern Prinzipien wie Empowerment, ganzheitliche Entwicklung, Familie und Gemeinschaft. Außerdem stehen Ziele wie Wohlbefinden, Zugehörigkeit, Mitwirkung, Kommunikation und Exploration im Mittelpunkt.





Kinder in neuseeländischen Kitas sollen darin unterstützt werden, eine Identität als Lernende zu entwickeln, sich selbst als lernende, reflektierende, explorierende, kommunizierende Personen zu verstehen. Te Whariki spiegelt also die Haltungen und Überzeugungen der Fachkräfte dieses Arbeitsfelds wider. Das stellt eine große Herausforderung für jede einzelne Fachkraft dar, da die Qualität ihrer Arbeit entscheidend davon abhängt, wie intensiv sie sich und ihre Denk- und Handlungsweisen reflektiert. Dementsprechend verstehen sich die neuseeländischen Fachkräfte nicht allein als Lehrende, sondern gleichzeitig als Lernende. Dadurch entsteht eine Wechselseitigkeit in den Beziehungen zwischen den Fachkräften und den Kindern und ein täglicher Lernprozess auf beiden Seiten.


Die wahre Stärke von Te Whāriki ist seine Kapazität eine starke und dauerhafte Grundlagen für jede Kultur in Aotearoa, Neuseeland und in der Welt zu schaffen ... Te Whāriki beruht auf der Theorie, dass alle Kinder in der Bildung erfolgreich sein werden, wenn die Grundlagen für ihr Lernen auf Verständnis und Respekt für ihre kulturelle Wurzeln beruht.” - Reedy & Reedy (2013)


Grundlegende Prinzipien der frühkindlichen Bildung (Principles)

  1. Empowerment: Das Curriculum unterstützt das Kind dabei, die Verantwortung für das eigenen Lernen zu übernehmen.

  2. Holistic Development: Das Curriculum spiegelt die Ganzheitlichkeit wider, mit der Kinder lernen.

  3. Family and Community: Das Curriculum bezieht die Familie und Gemeinschaft als bedeutsamen Faktor für kindliche Lernprozesse mit ein.

  4. Relationships: Das Curriculum trägt der Tatsache Rechnung, dass Kinder durch wech- selseitige Beziehungen mit den Menschen, Orten und Dingen in ihrer Umgebung lernen.

Hauptziele des Curriculums (Strands)

  1. Well-being (Wohlbefinden): Das Wohlbefinden und die Gesundheit des Kindeswerden zu jeder Zeit geschützt und gefördert.

  2. Belonging (Zugehörigkeit): Kinder und deren Familien fühlen sich durch die Angebote des Sektors, die sie wahrnehmen. und den Mitarbeitern in den Einrichtungen zugehö- rig und verbunden.

  3. Contribution(Teilhabe):Die Einrichtungen schaffen eine Umgebung, die jedem Kind gleichermaßen die Chance gibt, zu lernen und gehört zu werden.

  4. Communication (Kommunikation): Die Umgebung fördert und schützt die Sprachen, Symbole und kulturellen Güter jedes Kindes.

  5. Exploration (Erforschen): Die Umgebung erlaubt den Kindern, ihren natürlichen Erkundungsdrang auszuleben und dabei explorierend zu lernen.